EUTERPE
TECHNIK - Segelschiffe
Geschrieben von: Björn Müller   
Dienstag, 03. November 2009 um 18:43 Uhr

Im Jahre 1884 stellte die englische Barrow Shipbuilding Company in Furness eine eiserne Viermastbark fertig, welche von der Hamburger Reederei B. Wencke Söhne in Auftrag gegeben war und auf den Namen EUTERPE getauft wurde. Die Vermessung ergab 2146 BRT bzw. 2069 NRT, die Ladefähigkeit betrug 3200 Tonnen. Die Länge wurde mit 88,60m, die Breite mit 13,01m und die Raumtiefe mit 7,28m angegeben. Die Schiffsklassifikationsgesellschaft Lloyds Register of Shipping stufte das Schiff in die höchste Klasse, +100A1, ein. Auf ihren Reisen wurde die EUTERPE durch die Kapitäne F.C. Bramslöw, H. Krause, C. Wittmüß, J. Timme und E.A.W. von Kaufmann geführt.

Das Schiff wurde sogleich auf große Fahrt geschickt, um mit dem Transport aller Arten von Massengütern Geld zu verdienen. Im Frühjahr 1888 z.B., unter der Leitung von Kapitän Krause, nahm die Viermastbark eine Ladung Kohlen in Cardiff auf, die für San Francisco bestimmt war. An der Westküste Nordamerikas wurden die Kohlen gelöscht und für die Heimreise Getreide geladen. Anschließend ging das Schiff in die Kalkutta-Fahrt, exportierte Salz und importierte Jute. Aber zu Beginn der 1890er Jahre übernahmen mehr und mehr Dampfer das Geschäft auf der Route nach Indien. Die Reederei B. Wencke Söhne orderte daher die EUTERPE vermehrt zu den Häfen an der Westküste Südamerikas, im speziellen zu denen Chiles, um Salpeter aufzunehmen. 1897/98 etwa transportierte das Schiff 3.100t Presskohle unter der Führung von Kapitän Wittmüß von Cardiff nach Iquique. Beladen mit 3.275t Salpeter begann die Heimreise am 11. März 1898 in Iquique und führte in 125 Tagen in den Heimathafen Hamburg. Die EUTERPE segelte aber auch weiterhin nach Ostasien oder Australien, um z.B. im birmanischen Rangun Reis zu laden.

Am 2. August 1902 trat die EUTERPE von Hamburg eine Reise in Ballast nach Port Talbot an, um Kohle für Pisagua aufzunehmen. Am 6. September stach das Schiff mit 3159t Kohle an Bord in See. Bei Lundy Island, einer Insel im Kanal von Bristol, setzte es auf Anordnung des Kapitäns Wilhelm von Kaufmann Segel. Am 8. September, gegen 11 Uhr,  befand sich die Viermastbark etwa 80 sm westsüdwestlich von Scilly Islands. Plötzlich kam es zu zwei Explosionen, wobei die letztere das Deck aufriss. Trümmerstücke und Teile der Ladung wurden in die Luft geschleudert, der Kreuzmast stürzte aufgrund der schweren Beschädigung über Bord, sieben Menschen ließen ihr Leben. Der englische Dampfer RYDALL HALL befand sich zur Zeit des Unglücks nur 5 sm entfernt und konnte deshalb die Mannschaft in relativ kurzer Zeit retten. Das Hamburger Seeamt befand, dass sich infolge des achterlichen Windes trotz der vorhandenen Ventilationseinrichtung von der Ladung ausgeschiedener Kohlenwasserstoff im Zwischendeck angesammelt hatte. Dies führte zur Bildung eines explosiven Luft-Gas-Gemisches. Im Spruch des Seeamtes vom 27. September 1902 heißt es daher u. a., ,,das der verunglückte Schmied Hagedorn (vermutlich) beim Betreten des Zwischendecks trotz des Verbots ein Streichholz zum Ausleuchten des Raumes entzündete und dadurch die angesammelten Gase in Brand gesetzt hat."

Literatur:

  • Meyer, Jürgen: Hamburgs Segelschiffe: 1795-1945. Hamburg: Edition Maritim, 1999, S. 106f.
  • Schaefer, Ulrich: Die Viermastbark ,,Euterpe": Reisen und Schicksal der ersten modernen Viermasters unter der deutschen Flagge. In: Der Albatros, Jg. 33 (1988), 1, S. 1-8.

 

 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 26. Oktober 2010 um 09:45 Uhr von Inga Brantzky